und die Kraft der Kamille
Der Fruehling kehrte in den Klostergarten zurueck. Die kalten Wintertage waren verschwunden, und ueberall sprossen zarte gruene Blaetter. Der Fruehling erwachte, und mit ihm erwachte auch Rosina. Die kleine Maus sass in ihrem gemuetlichen Bett in der Klosterbibliothek und blickte zufrieden aus ihrem Fensterspalt.
Draussen in den Beeten reckten sich die ersten Kraeuter der Sonne entgegen. Der Lavendel war noch klein, aber sein frisches Gruen versprach eine duftende Ernte. Der Baldrian begann gerade erst auszutreiben, waehrend der Zitronenmelisse schon die ersten weichen Blaetter wuchsen.
Doch ploetzlich hoerte Rosina ein merkwuerdiges Gerausch.
Puh! Puh! HICKS!
Neugierig huschte sie hinaus und fand unter dem jungen Lavendelbusch einen zitternden Stachelball.
Oh je, wer bist du denn? fragte sie sanft.
Langsam entrollte sich der kleine Koerper. Ignaz, brummte der Igel muerrisch. Und du hast mich erschreckt!
Aber warum hast du Schluckauf?
Jedes Mal, wenn ich mich erschrecke, rolle ich mich so schnell zusammen, dass ich dabei Luft schlucke und dann... HICKS!
Rosina laechelte und kramte in ihrem kleinen Lederbeuelchen.
Hier, das ist Kamille. Kamille beruhigt die Nerven und hilft, wenn man sich schnell aufregt.
Ignaz schnupperte misstrauisch. Doch schon nach wenigen Atemzuegen legten sich seine Stacheln flach an, und sein Schluckauf verstummte.
Mmmmh, riecht gemuetlich, murmelte er schlaefrig.
Rosina schmuenzelte. Sie wusste genau, dass sie Ignaz bald wiedersehen wuerde.